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Nächste Haltestelle: Friedensplatz

Erst neulich hörte ich wieder, dass wir im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung herausarbeiten müssen, was Europa von Chemnitz lernen kann. Frieden wäre doch ein gutes Thema.

In Chemnitz ist diese Thematik durchaus präsent. Seit einigen Jahren wird am 5.März der Chemnitzer Friedenstag zelebriert in dessen Rahmen erfolgt auch die Vergabe des Chemnitzer Friedenspreises. Außerdem finden verschiedene Veranstaltungen statt und seit diesem Jahr gibt es sogar einen Friedensplatz. Alle erwähnten Punkte sind definitiv Bekenntnisse zum Frieden. Es gibt aber noch andere Aktionen, welche den Willen zu einer Welt ohne Krieg ausdrücken. Die Chemnitzer Fotografin Karla Mohr beispielsweise initiierte das Fotoprojekt „Kein Krieg in meinem Namen“, welches nicht nur im Internet gezeigt, sondern auch im Innenstadtbereich öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt wurde. Das sind alles wunderbare Elemente, doch welche Zutaten könnten die Bekenntnis zum Frieden noch stärker untermauern?

Während meiner Studienzeit an der TU Chemnitz (2010) präsentierte sich der Rüstungskonzern EADS, welcher damals mit einer Professur kooperierte, bei einer Veranstaltung im Alten Heizhaus. In einem Werbevideo flog eine Drohne anmutig durch die Lüfte. Damals war die Perversität des Drohnenkriegs noch nicht im öffentlichen Bewusstsein und Proteste ausblieben aus. So eine Situation könnte heute vielleicht an der TU Chemnitz nicht mehr stattfinden, denn mittlerweile hat sie eine Zivilklausel in ihrer Grundordnung:
“An der Technischen Universität Chemnitz sollen Forschung, Lehre und Studium friedlichen Zwecken dienen, unter Wahrung der verfassungsrechtlich garantierten Wissenschaftsfreiheit. Alle Mitglieder und Angehörigen der Technischen Universität Chemnitz werden aufgerufen, diesen Grundsatz mit Leben zu füllen und in ihrem Handeln den Grundsätzen der Humanität und dem Friedensgebot des Grundgesetzes Rechnung zu tragen.“

Zurück zur Kulturhauptstadtbewerbung. Wie wäre es mit einer flächendeckenden Zivilklausel? Die Stadt Chemnitz könnte dafür werben, dass Unternehmen im Stadtgebiet sich eine Zivilklausel (keine militärische Forschung und Rüstungsproduktion) in ihr Statut schreiben. Ein Anfang zu diesem Ziel wäre auch der Verzicht auf Werbung der Bundeswehr zur Gewinnung neuer Soldaten und Soldatinnen im öffentlichen Raum und auf Stadtfesten. Das kommunale Verkehrsunternehmen CVAG könnte als gutes Vorbild vorangehen. Der Friedensbus wurde im Oktober 2014 aufgrund von Reparaturarbeiten neutralisiert. (O-Ton CVAG auf Facebook). Seit Ende Februar fährt jedoch eine Straßenbahn durch die Stadt, welche für die Rekrutierung neuer Soldaten und Soldatinnen wirbt. Passt das mit den eingangs aufgezeigten Chemnitzer Friedensbekenntnissen zusammen? Mein Vorschlag wäre, dass die Bundeswehr-Tram in eine Friedensstraßenbahn umlackiert wird. Es kann doch nicht unmöglich sein. Schon Yoko und John sangen “War is over if you want it”.

Eine klares und ernsthaftes Bekenntnis zum Frieden. Das könnte Europa von Chemnitz lernen.

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